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Tritiya Unmesa — Anavopaya

Sutra 3.6

मोहावरणात् सिद्धिः

Translation

Mohāvaraṇāt siddhiḥ

Durch das Überdecken (oder: die Verhüllung) der Befleckung (oder: des Trugbildes, der Verblendung) — die Vollendung (oder: die Meisterschaft).

Meaning

Der Sutra spricht von *moha*, der Verblendung, der Trugwahrnehmung, die das eigene Wesen als getrennt von dem ungeteilten Ganzen erscheinen löst. *Avaraṇa* ist das Verhüllen, das Decken — jene Kraft, die die eigene unermessliche Natur verbirgt, sodass sich das endliche, gebundene Selbst als das einzige Realität zeigt. Der Ausdruck *siddhi* bezeichnet hier nicht übernatürliche Kräfte, sondern die natürliche, vollendete Freiheit: das Zurückfinden zum eigenen Wesen, sobald die Verblendung als das erkannt wird, was sie ist.

Die Formulierung ist paradox: Nicht durch Anstrengung wird die Vollendung gewonnen, sondern durch das bloße Erkennen, dass Verblendung nur eine Hülle ist — eine Hülle, die an sich keine eigene Substanz besitzt. Wenn die Verhüllung gesehen wird, tritt das, was immer schon gegenwärtig war, von selbst hervor. Der Weg besteht nicht darin, etwas Neues zu erwerben, sondern darin, das Verhüllen als das zu erkennen, was es ist.

Contemplation

Im Laufe des Tages, wenn sich Verwirrung, Anhaftung oder ein Gefühl der Begrenzung zeigt, halte inne und frage: Was genau verhüllt sich hier? Nicht, um es zu bekämpfen, sondern um es als bloße Verhüllung zu erkennen. In diesem Erkennen löst sich die Verhüllung von selbst, und das, was bleibt, ist die stille Klarheit, die immer schon da war.

A contemplative reading in the spirit of the Kashmir Shaivism (Trika / non-dual Tantra) tradition — an aid to reflection, not a substitute for a living teacher or the classical commentaries.

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